Freitag, 26. November 2010

Das wichtige Glied

Heute Nachmittag rief mich ein lieber Kollege an und nachdem wir "unseren" Fall besprochen hatten, gerieten wir ins Plaudern.

Leute über 30 schwelgen dann schon mal recht schnell in Erinnerungen an die Studentenzeit (gibt es sowas wie ein Feuerzangenbowlenphänomen?) und so war es auch bei uns.

Mein Kollege vermochte die Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen noch sehr genau anhand ihres Phänotyps zu beschreiben: die Zivilrechtler waren die im Dreiteiler, die lässig mit einer Hand in der Hosentasche pralierend ihre Vorlesungen hielten. Die Öffentlichrechtler trugen meist Kombinationen, die manchmal nicht recht zueinander passen wollten und die Strafrechtler waren die in den Cordhosen (teils mit Flicken). Wir haben zwar an unterschiedlichen Universitäten studiert, aber auch ich erkannte den ein oder anderen meiner Professoren in der Beschreibung wieder.

Einig waren wir uns darin, dass die Strafrechtler den größten Unterhaltungswert hatten. Ich erinnere einen Professor, der ein Merkmal der schweren Körperverletzung, nämlich den Verlust eines wichtigen Gliedes wie folgt erklärte: "Stellt man sich die Frage, ob auch das männliche Glied ein sogenanntes wichtiges Glied ist. Nach der Definition ist dies dann der Fall, wenn es mit einem anderen Körperteil durch ein Gelenk verbunden ist. Dies wird man beim männlichen Glied verneinen müssen, obschon es sehr beweglich ist..." Alles Weitere ging im Gelächter unter.

Herrlich. Da wünscht man sich glatt, nochmal in einer Vorlesung zu sitzen.

Kommentare:

Tilman Hausherr hat gesagt…

In meiner Uni konnte man im Gebäude "Franklinstrasse" im Aufzug die Soziologen leicht von den Informatikern unterscheiden. Die Soziologen waren bunt gekleidet und lebhaft, die Informatiker unauffällig gekleidet und still, da immer in Gedanken versunken bzgl. irgendwelcher Software-Probleme. Man konnte jedenfalls schon im Erdgeschoss wissen, wer wo aussteigen würde. (Ich bin Informatiker)

Anonym hat gesagt…

Schmidhäuser - früher in Hamburg - war eine Sensation, obwohl im grauen, zweiteiligen Anzug. Beispiele, Anekdoten ohne Ende, manchmal ein kleiner Schluck aus dem Silberflachmann und, als das Licht im Hörsaal ausfiel, auch schon mal Schattenspiele.
Die einzige Vorlesung, die ich Strafrecht gehört habe - sehr unterhaltsam und zugleich auch lehrreich.

Anonym hat gesagt…

"pralierend"? Wie in "prall"?

Anonym hat gesagt…

Alle Strafrechts-Profs, die ich je in Vorleseungen hatte (drei), trugen auch Anzüge und waren immer gut angezogen. Zumeist waren die auch besser gekleidet als die Zivilrechtler.

Allerdings scheint es wohl überall so zu sein, dass die ÖffRechtler eher den langweiligen Typen verkörpern (das gilt sogar zumeist für deren WissMits und Assis) - aber die sind halt auch thematisch viel näher am biederen Beamten / Verwaltungsmitarbeiter dran... :-)

Anonym hat gesagt…

Die Strafrechtler waren in VLen oft die unterhaltsamsten, vor allem, wenn sie Lederhose und Rocker-T-Shirt tragen.

BV hat gesagt…

Einfach mal wieder hingehen...

Christian hat gesagt…

Ich bin auch über 30 Jahre und habe mich jüngst wieder in eine Vorlesung gesetzt und erinnere nun an die Nachteile, die man nach dem Studium verdrängt hat: Das Tempo in Vorlesungen ist niedrig, viele Studenten tuschen permanent und verursachen somit eine unangenehme Geräuschekulisse, und überhaupt.

kj hat gesagt…

Die Strafprofs wollten den Studentinnen gefallen, uns Jungs hätten nett anzusehende Professorinnen besser gefallen, die gab es aber nicht.
Vielleicht war das der Grund, warum ich im Strafrecht immer ein Versager war.

Dominik Weiser hat gesagt…

Prof. Dr. Herberger, Universität des Saarlandes, Zivilrechtler, Gründer von juris, Vorreiter der "Internetjuristerei" und absolut unerreichte Stilikone:

Sandalen und darunter verschiedenfarbige Socken!

Das brannte förmlich in den Augen!