Freitag, 23. Juli 2010

Reisen in Sachen Strafverteidigung

Ein anonymer Kommentar zu diesem Posting beweist, dass nicht alle Verteidiger gleichermaßen gerne die Republik bereisen wie das bei mir und beispielsweise auch dem Kollegen Siebers der Fall ist.

Nicht nur, dass man mal was Anderes sieht als sein eigenes Büro und das örtliche Gericht, nein, man kann quasi ganz nebenbei befreundete Kollegen besuchen, bei günstiger Terminierung (Montag oder Freitag) ein verlängertes Wochenende draus machen und - schon Oma hat´s gewusst: Reisen erweitert den Horizont. Ohne meine Reisen in Sachen Strafverteidigung hätte ich beispielsweise Dresden nicht so schnell erkundet, ich würde das Goethehaus in Weimar nicht kennen, wüsste nicht, dass gleich hinter dem Landgericht Kempten ein wunderschöner Park angrenzt und auch die Braunschweiger Kneipe Mutter Habenicht wäre mir entgangen.

Es mag sein, dass man viele Stunden auf der Autobahn verbringt und es mag auch sein, dass man in derselben Zeit im Büro sitzend mehr Akten bearbeitet bekäme, aber mehr Spaß macht es allemal - zumindest mir.

Gestern übrigens erreichte mich ein Anruf einer lieben Mandantin, die demnächst umzieht - nach Sylt! Ich wünsche mir zwar für sie nicht, dass sie meine Dienste bald wieder benötigt, aber freuen würde ich mich sehr über einen Ausflug auf die Insel.

P.S.: Ich weiß, örtlich zuständig ist das Amtsgericht Niebüll, aber wo man schonmal in der Nähe wäre...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Mich stört eigentlich weniger das Reisen. Um bei Goethe zu bleiben: man reist nicht um anzukommen, sondern um zu reisen. Mich stören vielmehr die vielen unbearbeiteten Akten, die nach solcher einer Reise auf meinem Schreibtisch warten. Eine mehrstündige Hauptverhandlung beim Heimatgericht ist zwar auch mitunter erschöpfend. Nach zwei, drei, vier, fünf Stunden Fahrt bekomme ich anschließend aber überhaupt nichts mehr gebacken. Deshalb müßten eigentlich die Auswärtsmandanten doppelt soviel zahlen, weil pro HV-Tag zwei Arbeitstage futsch sind.

Davon abgesehen habe ich an Auswärtsverteidigungen die schönsten Erinnerungen.

Kormak hat gesagt…

Das kenne ich und daß ist auch das, was ich an meinem Job so mag.

Ist zwar nicht zu Gerichtshöfen, aber man lernt viele Menschen kennen und viele Gegenden, in die man sonst nie käme.

Es ist zwar selten nur ein Tag, aber wenn man dazu noch gern Motorrad fährt... ;.)