Montag, 28. Dezember 2009

To do Liste aus dem Knast

Gerade frage ich mich, ob der Sozialdienst in der Justizvollzugsanstalt E. für Gefangene nicht erreichbar ist, oder ob ich beim Erstgespräch mit dem Mandanten wohl vergessen habe, ihm mitzuteilen, dass ich zwar für seine Verteidigung, damit aber nicht automatisch für seine sonstigen Angelegenheiten zuständig bin.

Beim Lesen der Post nämlich stolpere ich über das Schreiben eines inhaftierten Mandanten, der mir aufträgt:

- Mutter anrufen wegen Paket
- Arbeitgeber anrufen
- Vermieter anrufen
- Kumpel anrufen wegen Besuch
- Handyvertrag vorsorglich kündigen
- Kontoauszüge besorgen

Was die Frau Mama angeht, bin ich dieser gegenüber von der Schweigepflicht entbunden und werde daher die To-do-Liste an sie weiterreichen. Wetten, dass die sich freut?!

Kommentare:

kamikaze hat gesagt…

Sie sind ja richtig pragmatisch.

helmut karsten hat gesagt…

Leider ist der Verteidiger die einzige Verbindung nach draussen. Klar, ist nicht Ihr Job, aber der Sozialarbeiter der JVA-Bamberg war schon eher interessiert Informationen von mir rauszukriegen. Da er nicht wusste, wie man Justiztaschengeld - bei der Umstellung auf HARTZ IV beantragt, hat er mal eben meinen Bruder angerufen, ihn angewiesen, mir gefälligst Geld zu schicken. Meinen Auftrag hatte er hierzu nicht....Hätte ich das gewollt, hätte ich meinem Bruder einen Brief geschrieben. Weil ich "der Ami" im Knast war, konnte er es sich nicht verkneifen, zu sagen, dass man mich nach New Orleans abschieben sollte......da war gerade Hurrikan Kathrina. Außer eklatanter "Verhörversuche" war da nix. Haben Sie bitte Nachsehen mit den Mandanten, die Sie für Ihre Mutter halten. Jemand anderes, als seine(n) VerteidigerInnen, hat man da drinnen nicht.